Klimaneutralität 2030 „Die Zeit haben wir nicht mehr“

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Im TAZ Interview mit Volker Quaschning wird klar, wie wenig Zeit uns noch bleibt, um unserer Verantwortung für unsere Nachkommen gerecht zu werden.

Darin heißt es:

Global deutet wenig auf ein Einhalten des 1,5-Ziels hin.

Schauen wir doch mal. Bei der COP-Konferenz gab es jetzt zum Beispiel die Zusage Indiens, bis 2070 klimaneutral zu werden. Da sagt man aus deutscher Sicht schnell: Wir sind ja viel besser als Indien, und so wird das nie was. Das halte ich für eine sehr schale Ausrede. Unsere Rechnung ist eine andere: Der indische Pro-Kopf-Ausstoß beträgt weniger als ein Viertel des deutschen. Auf dieser Basis hat Indien im Grunde vier mal so viel Zeit, Klimaneutralität zu erreichen, weil sie von einem viel niedrigeren Level starten – theoretisch sogar bis 2090 oder 2100. Mit seiner jüngsten Ankündigung würde Indien das Pariser Abkommen einhalten, Deutschland nicht.

….. Aus den Koalitionsverhandlungen sickert nun durch, dass man diese eigentlich schon viel zu schwachen Sektorziele noch verwässern möchte – schon weil man bereits jetzt weiß, dass man sie 2021 und 2022 nicht einhalten wird. Schauen Sie sich mal das Zwischenziel im Bund von 2030 für den Verkehrsbereich an: Da heißt es, dass wir die Emissionen bis dahin halbieren müssen. In Berlin schafft man es noch nicht mal, bis 2030 ein Zufahrtverbot für Autos mit Verbrennungsmotor durchzusetzen, stattdessen bauen wir eine Autobahn fertig. Wir als angebliche Vorreiter in der Klimapolitik müssen da nach Kopenhagen oder Paris schielen, wo sich richtig was tut.

Die Bekämpfung der Klimakrise ist deutlich teurer.

Dann sehen Sie sich die Folgen der ungebremsten Klimakrise an, also was dann in 20, 30 Jahren auf eine Stadt wie Berlin zurollen würde. Die Kosten, die es verursacht, diese Folgen noch irgendwie in den Griff zu bekommen, fallen viel höher aus! Was machen wir denn, wenn die Trinkwasserversorgung zusammenbricht? Dagegen ist das Aufgraben von Straßen doch ein überschaubares Problem. Diese Dramatik muss man sich immer wieder vor Augen halten. Dass wir das mit den aktuellen Maßnahmen und der aktuellen Geschwindigkeit der Berliner Verwaltung nicht hinbekommen, ist klar, da brauchen wir einen ganz großen Ruck. Aber würde ein Meteorit auf die Erde zurasen und wir hätten noch ein halbes Jahr Zeit, dann würden wir doch auch alle Gelder der Welt akquirieren, um diese Bedrohung irgendwie abzuwehren.

Wenn wir alle unsere Konsumgewohnheiten veränderten, ließen sich doch umgehend beträchtliche Mengen CO2 vermeiden.

Also ich bin der Letzte, der es bei schwachen Appellen belässt. Aber ich hole mir auch regelmäßig eine blutige Nase in den sozialen Netzwerken, wenn ich sage: Leute, ihr müsst auch mal selber aus dem Quark kommen. Ich selbst tue alles, was ich tun kann, und das wird auch bei vielen in der Klimabewegung so sein.

Was tun Sie denn?

Ich habe eine große Solaranlage, beziehe klimaneutralen Strom, mein Haus wird klimaneutral beheizt, ich habe ein Elektroauto und eine Monatskarte für den ÖPNV, ich lebe vegan und ich fliege nicht mehr. Ich weiß aber auch aus 30 Jahren Erfahrungen und Diskussionen, dass es so einfach nicht ist. Ich appelliere viel, und als ich meine Solaranlage gebaut habe, sind auch Nachbarn dem Beispiel gefolgt. Aber viele andere eben nicht. Ich kann mich also hinstellen wie die Zeugen Jehovas und versuchen, die Leute zu bekehren, aber wenn sie es nicht wollen, muss es der Gesetzgeber tun. Wichtig ist, dass die Bevölkerung die Maßnahmen mitträgt und wir keine Gelbwestenproteste bekommen.

Sagen Sie doch trotzdem noch mal, was wir alle tun könnten, um das CO2-Budget zu schonen.

Ich fange da immer mit zwei Sachen an, die eigentlich total einfach sind: sich vegan ernähren und nicht mehr fliegen. Das sind Dinge, die können alle machen und die kosten nicht mal etwas.

Das komplette Interview zu finden in der TAZ.

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