Heizungstausch oder Fernwärme

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Wie geht es weiter in Schwielowsee?

Auf diese Frage kann man die Bemühungen von Gemeindeverwaltung, Gemeindevertretern und vielen interessierten Bürgern herunterbrechen, eine Wärmeplanung auf kommunaler Ebene zu erstellen. Die Initiative, die Organisation und auch der fachliche Rahmen kamen hierbei bislang von der Klimainitiative Schwielowsee. Doch worum geht es genau?

Bevor nun jeder einzelne Haushalt eine Entscheidung zur Erneuerung der Heizungsanlage treffen muss, sollen gemeinschaftliche Lösungen gefunden werden, innerhalb einer Kommune diese Anforderungen zu erfüllen. Vor einigen Wochen haben sich Vertreter einzelner Fraktionen der Gemeindevertretung und interessierte Bürger zusammengefunden, um initial eine Wärmeplanung für Schwielowsee auf den Weg zu bringen. In einer öffentlichen Veranstaltung am 25.06.2024 sollten nun erste Gedanken hierzu erläutert, diskutiert und weiterentwickelt werden.

Was für unsere Ortsteile wünschenswert wäre, ist im Blütenviertel in Caputh schon zu bestaunen, und so waren wir dankbar, von HW Pausch nicht nur die Räumlichkeit zur Verfügung gestellt zu bekommen, sondern auch durch Eberhard Holstein eine Einführung in das Versorgungskonzept der Wohnanlage zu erhalten. Durch die Kombination von Solarenergie, Geothermie und intelligenter Wärmerückgewinnung wird hier für bis zu 180 Haushalte eine Versorgung mit Wärme, Kälte und Strom sichergestellt. Der Anteil regenerativer Energien liegt hier bei 75 Prozent und zeigt im Kleinen, was wir in ähnlicher Form für Schwielowsee anstreben sollten.

Nach der Besichtigung der Versorgungsanlage führte Ernst Huenges als Sprecher der Planungsgruppe in die Materie und den aktuellen Stand ein. Da in der ersten Phase einer solchen Planung alle möglichen Energiequellen, Erzeugungsverfahren und eventuelle Verteilungsnetze eruiert werden müssen, sollten unterschiedliche Referenten mit Impulsvorträgen einzelne Themen beleuchten, die Teil einer Wärmeversorgung über ein Warmwassernetz für Schwielowsee sein könnten.

Eckard Veil, EWP Potsdam:

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Den Anfang machte hier Eckard Veil von der EWP Potsdam, der eindrucksvoll den Stand der Planung für Potsdam erläuterte. Mit großen Geothermie Projekten an bis zu acht Standorten in Potsdam verteilt, Wärmerückgewinnung aus Klärwasser und riesigen über das Stadtgebiet verteilten Wärmespeichern, beginnt man hier mit der Umsetzung. Da die Potsdamer schon länger auf Geothermie aus Tiefenbohrungen setzen, sind die Planungen und Probebohrungen schon so weit gediehen, dass in diesem Jahr schon die erste Anlage gebaut wird und ans Netz geht. Besonders wertvoll erscheinen auch die Erfahrungen der Potsdamer, wenn es darum geht, Leitungen unter die Straßen zu bekommen und dabei die Kosten und Konstellationen zwischen den unterschiedlichen Medien im Auge zu behalten. Auch eine Zusammenarbeit mit Schwielowsee bei Planung und Umsetzung scheint sich die EWP Potsdam vorstellen zu können.

Andre Deinhardt, GTN Neubrandenburg:

Ein weiterer Referent war Andre Deinhardt von der Geothermie Neubrandenburg GmbH. Er erläuterte die technische Funktionsweise und Umsetzung der bei uns möglichen “Mitteltiefen Geothermie”. Hierbei wird Wasser aus 1000 bis 1500 Metern Tiefe über eine Förderbohrung hochgepumpt und über eine Injektionsbohrung dem Thermalwasserkreislauf wieder zugeführt, die Wärme wird über Wärmetauscher entzogen und den Haushalten über ein Warmwassernetz zur Verfügung gestellt.

Herrn Possin, NOTUS

Da Tiefenpumpe, Wärmetauscher und Wärmepumpen mit Strom betrieben werden, war auch Herr Enrico Possin von der Notus Energy gern gesehener Gast dieser Veranstaltung. Die Notus betreibt zukünftig in unseren Wäldern 6 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 36 MW. Das Umspannwerk für den erzeugten Strom liegt am Rande von Caputh, ca. 500 Meter vom Gewerbegebiet entfernt. Wenn bei der Produktion von Strom aus Wind regelmäßig schwer verkäufliche Überschüsse entstehen oder der Strompreis bei Wind und Sonne an der Strombörse oft sehr niedrig ist, könnte hier eine preiswerte Lösung für beide Seiten entstehen.

Weil nun all diese Überlegungen, Planungen und Berechnungen die Kapazitäten einer Gruppe interessierter Bürger und auch die einer Gemeindeverwaltung übersteigen, sollte die Kommunale Wärmeplanung von einem kompetenten Energieberater begleitet werden.

Marc Mecke, CECO: 

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Ein solches Energieberatungsunternehmen ist die con|energy consult gmbh, auf der Veranstaltung vertreten durch Herrn Marc Mecke. Sie berät die Gemeinde Michendorf zur kommunalen Wärmeplanung und sammelt die notwendigen Daten zu Verbrauch, bestehenden Heizungsanlagen und möglichem Wärmenetzausbau für die einzelnen Ortsteile. Nach Art der Bebauung, Nutzung und Bebauungsdichte werden dann für Ortsteile und Ortslagen mögliche Versorgungskonzepte entwickelt und vorgestellt. Das alles läuft parallel zur Befragung der Bürger nach ihren Plänen zur eigenen Heizungsanlage oder einem möglichen Anschluss an eine gemeinschaftliche Wärmeversorgung. In enger Zusammenarbeit mit dem Klimamanager der Gemeinde kommt man hier gut voran.

Im Anschluss an die Vorträge erläuterte unsere Bürgermeisterin, Frau Hoppe, wie sich die Gemeindeverwaltung auf das Thema vorbereitet hat und den gesetzlichen Auftrag einer kommunalen Wärmeplanung bis 2028 umsetzen möchte. Nachdem im Vorfeld Förderanträge für eine begleitende Beratung zu diesem Thema gestellt und genehmigt wurden, konnte sie mitteilen, dass nach erfolgter Ausschreibung ein Unternehmen verpflichtet wurde und demnächst in Absprache mit allen Beteiligten und Akteuren in die Planung gehen wird.

Zusammenfassend kann man von einem sehr interessanten Abend mit vielen Perspektiven, interessierten Schwielowseeern und einer freudigen Aufbruchsstimmung sprechen. Die Diskussion hat natürlich auch Schwierigkeiten um Kosten, Baumaßnahmen und anderes berührt. Bei allen gab es aber den übergeordneten Wunsch, unsere Gemeinde sicher und nachhaltig versorgt zu wissen. Wir müssen früher oder später weg von Kohle und Gas und es wird auch nicht möglich und schon gar nicht wirtschaftlich sein, die 3.600 Wohngebäude in Schwielowsee mit einzelnen Wärmepumpen zu betreiben. Dies ist ein Beginn.

Andreas Oettel

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