TrudeBude — Wir holen die Erinnerung an Gertrud Feiertag in unseren Alltag

Lesezeit etwa: 2 Minuten

Gegen das Vergessen!
Als Ergebnis eines Ideenwettbewerbes ist der Name „Trudebude“ für das erste Freie Lastenrad in Schwielowsee das bewusste Bekenntnis zur Erinnerung an unsere Ehrenbürgerin Gertrud Feiertag. Damit begegnen die Schwielowseer Bürger:innen in ihrem alltäglichen Leben dem Gedenken an diese mutige Frau, an ihre Entschlossenheit und ihre Fürsorge. Das Erinnern bleibt nicht auf den Tat-Ort des nationalsozialistischen Verbrechens begrenzt, als Caputher Bürger:innen in der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 das jüdische Landschulheim der Reformpädagogin Getrud Feiertag überfallen und verwüstet haben. Etwa 90 Kinder wurden gewaltsam vertrieben, aus einer Atmosphäre, die eine ehemalige Lehrerin als „Insel der Liebe, der Menschlichkeit und der geistigen Bemühungen inmitten der Verzweiflung“ beschrieben hat. Die Kinder nannten ihre Heimleiterin liebevoll Trudebude. Doch Hass, Kleingeist und nationalsozialistische Verblendung zerstörten, was Gertrud Feiertag – ihrer Zeit voraus – mit ihrem reformpädagogischen Ansatz bei der Vermittlung von Kunst, Musik, Theater und Naturerlebnissen ebenso wie Fremdsprachen, jüdischer Kultur und Religion geschaffen hatte.

Sie kümmerte sich um provisorische Unterbringung der vertriebenen Kinder in Berlin, kehrte zurück an den Ort der Grausamkeit, um Dinge aus dem Haus in Caputh zu retten, und unterstützte Hilfsorganisationen in Berlin bei der Verschickung jüdischer Waisenkinder nach England, nachdem das Landschulheim nach erfolglosen Verhandlungen geschlossen blieb.

Ihrer humanitären Aufgabe verpflichtet floh sie selbst nicht vor einer Bevölkerung, die ihr und vielen anderen so feindselig begegnete. Gertrud Feiertag wurde im Spätsommer 1943 in Auschwitz ermordet.

Kein einzelner Täter oder kleine Gruppe, sondern die Mehrheit der Bevölkerung sorgte – teils schweigend – in ihrem ganz alltäglichen Leben für eine Stimmung des Hasses und der Ausgrenzung und machten alltägliche Orte zu Tat-Orten. Dies darf nie wieder geschehen! Indem wir für das Freie Lastenrad den liebevollen Spitznamen „TrudeBude“ aufgreifen, wehren wir den Anfängen, indem wir im Alltag die Erinnerung mit vielen Menschen teilen, die dann nicht vergessen können.

Für uns bedeutet das gleichermaßen Ehrung für die Ehrenbürgerin, die mit ihrer Lebendigkeit einen Lebens-Ort für viele Kinder gestaltete, wie auch Erinnerung an den Tat-Ort nationalsozialistischer Verbrechen und damit Mahnung für die Menschen der Gegenwart.

Niemals vergessen!

Weiterführende Informationen:
Webseite des SHBB, heutiger Träger des Hauses:
https://www.shbb-potsdam.de/ueber-shbb/geschichte-des-jhz/
Wikipedia über Gertrud Feiertag:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_Feiertag
Wikipedia über das Jüdische Landschulheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdisches_Kinder-_und_Landschulheim_Caputh
Wir stehen auch jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung.