Zukunftskommission Landwirtschaft legt Bericht vor

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Am 29.6.21 hat die Kommission Ihren Bericht verabschiedet. Aufgrund des gesellschaftlichen Drucks, allen voraus „Fridays For Future“ hatte die Bundesregierung im Juli 2020 die Zukunftskommission Landwirtschaft gebildet. Dieser Bericht liegt nun dem Kanzleramt vor und bestätigt die versäumte Richtungsgebung durch die Politik in den letzten Jahrzehnten. Immerhin haben sich für den Bericht 31 Vertreter aus Landwirtschaft, Wirtschaft & Verbrauchern, Umwelt- und Naturschutz sowie Wissenschaftlern zusammengefunden. Lediglich Greenpeace hatte das Gremium im Frühjahr unter Protest verlassen, weil die Bundesregierung die Empfehlungen der Kommission zur EU-Agrarförderung in Deutschland nicht berücksichtigte.

Späte Erkenntnis

So kommentiert Martin Kaiser, Geschäftsführender Vorstand von Greenpeace und bis März Mitglied der Zukunftskommission das Ergebnis:

„Es freut mich, dass sich die Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Interessen in der Kommission auf ein Ergebnis verständigen konnten. Die Landwirtschaft muss sich aber schneller ändern, als der Abschlussbericht vorgibt. Dieser wird bereits von der Realität überholt. So wird die aktuelle Ankündigung von Aldi, auf Billigfleisch zu verzichten, den Umbau der Ställe für eine bessere Tierhaltung beschleunigen. Das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts lässt keine weitere Verzögerung beim Klimaschutz in der Landwirtschaft zu. Die Empfehlungen der Kommission weisen zwar in die richtige Richtung, die neue Bundesregierung muss sie aber umgehend umsetzen. Die Klimaziele für Deutschland lassen sich nur mit einer Halbierung der Tierzahlen erreichen.

Die Zukunftskommission hat die notwendigen finanziellen Mittel für den ökologischen Umbau der Landwirtschaft auf 7 bis 11 Milliarden Euro veranschlagt. Damit erweist sich die Verhandlungsstrategie der Bundeslandwirtschaftsministerin bei der EU-Agrarreform als besonders verhängnisvoll: Julia Klöckner (CDU) hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Subventionen in Milliardenhöhe bis zum Ende des Jahrzehnts nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden. Jetzt fehlt das Geld, das dringend gebraucht würde, um Landwirtinnen und Landwirte beim Schutz von Tieren, Artenvielfalt und Klima gezielt zu unterstützen. Damit hat die Ministerin die sofortige Umsetzung der Kommissionsempfehlungen im Kern behindert.“

Wesentliche Empfehlungen

  • mehr Beachtung des Klima- und Umweltschutzes, auch durch den Ausbau und Erhaltung von Mooren und Humus, Verbesserung der Biodiversität, den Wandel in stabile Agrar-Ökosysteme sowie Förderung regionaler Wirtschafts- und betrieblicher Nährstoffkreisläufe.
  • die Reduzierung des Konsums tierischer Produkte, mehr Tierschutz und Tierwohl sowie umweltverträglichere räumliche Verteilung der Tierhaltung mit Verringerung der Tierbestände.
  • die Erhöhung der Markttransparenz von Handelsprodukten, durch Kennzeichnungen und Zertifikate etc.
  • die Diversifizierung betrieblicher Geschäftsmodelle sowie von regionalen und Direktvermarktungswegen.
  • Regulierung der Ausgestaltung von Abnahmebeziehungen der Landwirtschaft mit nachgelagerten Bereichen sowie dem Handel.
  • zielgerichtete staatliche Finanzierung der gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft, wie den Umbau der flächengebundenen Direktzahlungen der Ersten Säule der GAP. Damit wird der Anreiz umweltschonend zu produzieren gefördert.

Start zum Wandel

Im Sinne des Klimaschutzes ist der Bericht der Zukunftskommission sicherlich ein Statement, denn es waren die wesentlichen Vertreter der Interessengruppen beteiligt. Es sind somit nicht nur rein finanzielle und kurzfristige Interessen der Lebensmittelindustrie abgebildet, sondern ein großer Konsens, der auch in unserer Gesellschaft tragfähig ist.

Lieber spät als nie, jetzt sind wir gespannt auf eine konsequente Umsetzung.

Den Bericht stellen wir zum Download als PDF zur Verfügung:

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